Why all the hate?

Jede/r hat ihre/seine Meinung über einen bestimmten Film, was ja völlig legitim ist. Aber oft schlägt Filmen großer „Hass“ entgegen, die bereits im Vorfeld einen großen Hype erfahren haben. Oder Filme werden vorschnell als Müll abgetan, weil eine bestimmte Erwartung nicht erfüllt werden konnte oder oft ziehen ein paar (wenige) Schwachpunkte regelrechte Verrisse nach sich. Dieses Phänomen betrifft aber in der Regel keine professionellen Kritiker*. So bei STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT. Diesbezüglich habe ich so manche Fan-Kritiken und User-Kommentare gelesen, welche meist dieselben Kritikpunkte behandeln wie ich, diese aber völlig übetrieben gewichten. Sinngemäß geht es in die Richtung „Zu viele Parallelen zu Episode IV – die neue Episode ist scheiße!“ oder „George Lucas hat wenigstens versucht, neue Wesen und Welten zu entwerfen – der neue Teil ist scheiße!“ (Quantität vs. Qualität – hallo?) oder „Der neue Teil ist handwerklich schlecht!“ (Geschmackssache, aber dennoch eine steile These).

Da ich dem nicht so eloquent (und ausführlich, weil faul) entgegentreten kann wie mein Lieblings-Youtube-Filmkritker Chris Stuckmann, möchte ich Euch seine Analyse hierzu ans Herz legen (wobei ich auch nicht allen Punkten bis ins Detail zustimme):

Schaut Euch auch seine anderen Videos an – sehr, sehr gut und immer unterhaltsam und witzig!

https://www.youtube.com/user/ChrisStuckmann

https://www.facebook.com/ChrisStuckmann

 

*http://www.quotenmeter.de/n/83258/popcorn-und-rollenwechsel-der-nitpick-wahn

 

THE HATEFUL EIGHT (Kurz-Kritik)

Genre: Western/Krimi
Regie: Quentin Tarantino
Besetzung: Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh u. v. a.
Kinostart: 28.01.2016

Kurz vorweg: Ich habe den Film gestern in der Vorpremiere gesehen und bei der folgenden Kurz-Kritik (man könnte auch „spontane Instant-Kritík“ sagen) handelt es sich ggf. nur um eine sehr vorläufige Meinung, da ich ziemlich müde war …

The Good: Tarantino versteht es einfach, interessante bzw. kauzige Charaktere zu entwickeln und ihnen pointierte Dialoge in den Mund zu legen. Zudem erzeugt er mit seinem eigenwilligen Inszenierungsstil große Kinomomente. Und vom Vorspann weg war ich auf Meisterwerk eingestellt: Die Titel, die neue Original-Musik von Ennio Morricone (wird aber leider zu selten eingesetzt), die 70mm-Panorama-Aufnahmen, die Figuren-Konstellation und -Interaktion – alles stimmte zu Beginn.

The Bad: Doch irgendwann erschöpften sich die guten Zutaten im Laufe der knapp drei Stunden. Auch einige der vorigen Filme Tarantinos waren annähernd lang, wussten aber (bis auf wenige Phasen in DJANGO UNCHAINED) bei der Stange zu halten. Hier jedoch bin ich im letzten Drittel einige Male beinahe im Kino eingenickt, was mir sonst noch nie passiert ist! Und es „schockt“ mich selbst ein wenig, da ich diesen Film mögen wollte. Vor allem, da ich alle Filme dieses Ausnahmeregisseurs (mit Ausnahme von DEATH PROOF) sehr gut bis außergewöhnlich finde.

The Ugly: Die nur oberflächlich clever wirkenden Wendungen verpuffen ohne Effekt und schließlich nervten mich sogar die Dialoge – und ich liebe gute dialoglastige Filme. Ich war froh als der Film zu Ende war.

Fazit: THE HATEFUL EIGHT ist ein solides Western-Krimi-Kammerspiel und eine schöne Hommage, mit teils herausragender Bild- und Wortsprache, aber auch mit dramaturgischen Mängeln. Die Spannung kann nicht über die gesamte Laufzeit gehalten werden – ihr geht gegen Ende sogar ganz schön die Luft aus. Schade, aber ich werde dem Film mit besserer Kondition meinerseits in ein paar Jahren eine neue Chance geben …

Meine Lieblings-Serien 2015 …

… bzw. Staffeln (und ja, ich habe ein Netflix-Abo):

  • FARGO Staffel 2 (für mich das beste seit BREAKING BAD!)
  • BLOODLINE (grandioses Familiendrama)
  • PENNY DREADFUL Staffel 2 (Horror-Drama mit Stil)
  • BETTER CALL SAUL (zwar ein Spin-Off, aber sehr originell)
  • HOUSE OF CARDS Staffel 3 (immer noch fesselnd)

Meine persönliche TOP 10 von 2015

UPDATE: SLOW WEST ist mit einem Knall nachträglich in meiner TOP 10 gelandet! Ich werde aber nicht jedesmal, wenn ich einen tollen Film aus 2015 sehe, meine Liste ändern – aber weil das Jahr noch läuft, sei mir eine Ausnahme gegönnt …

Ausgehend von deutschen Kinostarts im Kalenderjahr 2015, wobei ich erwähnen sollte, dass ich so einige Filme noch nicht gesehen habe, wie z. B. SICARIO, INHERENT VICE, EWIGE JUGEND oder CAROL (folgende Liste OHNE Rangfolge):

WHIPLASH
BIRDMAN
MAD MAX: FURY ROAD
STAR WARS: THE FORCE AWAKENS
VICTORIA
EX MACHINA
DER BABADOOK
ES IST KOMPLIZIERT
SLOW WEST
GEFÜHLT MITTE ZWANZIG

Erwähnenswert: DER MARSIANER, STEVE JOBS, ALLES STEHT KOPF, FÜR IMMER ADALINE

STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT (Kritik)

Genre: Weltraum-Märchen/Action/Abenteuer
Regie: J.J. Abrams
Besetzung: Daisy Ridley, John Boyega, Harrison Ford, Adam Driver, Oscar Isaac u. v. a.
Kinostart: 17.12.2015

Kurz vorweg: Über die Story werde ich im Folgenden keine Worte verlieren, auch nicht über Luke Skywalkers Rolle, um Spoiler zu vermeiden.
Episode VII aka DAS ERWACHEN DER MACHT konnte der hohen Erwartungshaltung kaum gerecht werden. Und doch haben J.J. Abrams (hatte ja auch STAR TREK erfolgreich wiederbelebt) und sein Team um Drehbuchautor Lawrence Kasdan (DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK) das fast unmögliche geschafft – zumindest großteils.

The Good: Denn der Ton der Ur-Trilogie wird nahezu perfekt getroffen. Magie, Charme und eine überraschend große Portion Humor sind im Gegensatz zu den Prequels wieder präsent. Das Drehbuch ist stimmig, die Handlung flüssig und fesselnd erzählt und die pointierten Dialoge sitzen.
Die Figuren sind charismatisch gezeichnet, deren Motivationen und Entwicklungen sowie die Chemie untereinander wirken nie aufgesetzt. Vor allem die jungen Wilden Rey (Daisy Ridley) und Finn (John Boyega) sowie die von etablierten Mimen dargestellten Kylo Ren (Adam Driver) und Poe Dameron (Oscar Isaac) wissen zu überzeugen. Doch Han Solo alias Harrison Ford bildet das Herzstück des Films, das von der alten Besetzung sozusagen die Staffelübergabe vornimmt. Mit ungehemmter Spielfreude findet Ford in seine Durchbruch-Rolle von damals zurück, als wären die letzten 32 Jahre nicht gewesen. Oder besser gesagt 35 Jahre, da er in DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER als Figur unterfordert war und als Schauspieler wie auf Autopilot lief, geradezu genervt wirkend. Und da wäre noch BB-8, der weiß-orangene Droide in Ball-Form: Schlicht ein genial designter Roboter, extrem niedlich und witzig – und (zumeist?) nicht digital!
Der Film legt trotz einiger ruhiger Momente ein teils brachiales Tempo vor, voller dynamischer, spektakulärer Action und kreativem Esprit, begünstigt durch eine famose Bildästhetik, einem rhythmisch-organischen Schnitt und John Williams neuer symphonischer Musik, die fast wie in alten Zeiten die Szenen untermalt (fast, da eher atmosphärisch als eingängig melodisch). Die Inszenierung lebt zudem von wunderschönen, echten Kulissen und, neben tadellosen Computeranimationen, von praktischen Effekten, welche „In-Camera“ aufgenommen wurden. In 2D kommen die auf 35mm-Film gedrehten Aufnahmen noch schöner und detailreicher als im zwar passablen, jedoch dunklen, unscharfen 3D zur Geltung.

Während der ca. 135 Minuten Laufzeit habe ich im Kino nicht ein einziges Mal auf die Uhr geschaut: Im Gegenteil, ich war geradezu besorgt, dass der Film bald vorbei sein könnte – was für mich immer ein gutes Zeichen ist!

The Bad: Phasenweise wirkt Episode VII wie eine Hommage an bzw. fast schon eine Neuauflage von EINE NEUE HOFFNUNG, v. a. die neue, noch größere und noch zerstörerische Vernichtungswaffe ist nichts anderes als ein dritter Todesstern. Die nostalgischen Anspielungen werden schon ein wenig überstrapaziert. Generell ist die Geschichte trotz aller oben genannten Vorzüge relativ mäßig originell. Auch wegen des wiederkehrenden Themas bezüglich tragischer Familienverstrickungen.
Die visuelle Gestaltung vom neuen Quasi-Imperator erscheint völlig uninspiriert und sichtbar computeranimiert, was mich schon etwas aus dem Filmerlebnis gerissen hat, da es einfach nicht zum Rest passt, wenn im Grunde alle anderen Wesen mit echten Masken und echten Kostümen auftreten. Die zweite komplett am Rechner entstandene Figur kommt da wesentlich besser weg. Darüber hinaus bekommen manche Charaktere, wie z. B. die sehr interessanten Poe (Isaac) und Captain Phasma (Gwendoline Christie) leider zu wenig Zeit auf der Leinwand.
Außerdem kommt es aufgrund des Tempos zu vermeintlich dramaturgischen Unausgegoren- bzw. Ungereimtheiten, weil Plot-Details da manchmal auf der Strecke bleiben. Und die Gags verfallen etwa zwischen erstem und zweitem Akt schon ein bisschen in Klamauk.
Aber das war’s auch schon an Kritikpunkten, welche ich anbringen kann.

The Ugly: Nada.

Fazit: STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT ist das erhoffte Erwachen der Kult-Reihe zu neuem Leben. Die Atmosphäre der Originale wird sowohl mit altmodischen, als auch mit modernsten Mitteln der Filmtechnik erreicht. Noch wichtiger als die audiovisuelle Kunstfertigkeit jedoch ist, dass diese Episode einen emotionalen Kern hat, mitreißt und großen Spaß bereitet!

Vorschau: STAR WARS – DAS ERWACHEN DER MACHT (Kolumne)

Zum Release des lang ersehnten Full (and Final?) Trailers von STAR WARS – DAS ERWACHEN DER MACHT möchte ich, jemand der STAR WARS und INDIANA JONES zu seinen cineastischen Einstiegsdrogen zählt, meine Gedanken, Zweifel und v. a. Hoffnungen mitteilen. Und ja, ich weiß, es handelt sich bloß um einen Film!

Als Disney vor ca. drei Jahren Lucasfilm gekauft und neue STAR WARS-Filme angekündigt hatte, waren viele Fans wie auch ich äußerst skeptisch. Aber seitdem ist einiges passiert. Nicht nur, dass meine Skepsis inzwischen fast vollkommen überschwänglicher Vorfreude gewichen ist, sondern auch, dass bisher mindestens fünf neue Filme konkret angekündigt worden sind. Es wird zum einen eine neue Trilogie geben, welche etwa 30 Jahre nach DIE RÜCKKEHER DER JED-RITTER (1983) ansetzt. Zudem werden vorerst zwei neue „Anthology“-Filme entstehen, also Spin-Offs, welche im selben Universum spielen. Folgend die bereits feststehenden Kinostarts in chronologischer Reihenfolge und die jeweiligen Regisseure:

  • STAR WARS – DAS ERWACHEN DER MACHT (17.12.2015) von J. J. Abrams (STAR TREK INTO DARKNESS)
  • ROGUE ONE – A STAR WARS STORY (16.12.2016) von Gareth Edwards (GODZILLA)
  • STAR WARS – EPISODE VIII (26.05.2017) von Rian Johnson (LOOPER)
  • UNTITLED HAN SOLO STAR WARS ANTHOLOGY FILM (24.05.2018) von Phil Lord & Christopher Miller (THE LEGO MOVIE)
  • STAR WARS – EPISODE IX (2019) von Colin Trevorrow (JURASSIC WORLD)

Leider findet sich dabei, wie so oft in Hollywood, keine Regisseurin! Aber immerhin spielen mehr Frauen eine gewichtige Rolle bei der Besetzung der (Haupt-)Rollen als damals. Allein im kommenden Film spielen vier Haupt- und Nebendarstellerinnen mit (Mini-Rollen und Statistinnen nicht mitgezählt) – so waren es in der gesamten Ur-Trilogie nur zwei (!): Carrie Fisher als Prinzessin Leia und Caroline Blakiston als Mon Mothma.

Ich hatte bereits mit neuen bzw. brauchbaren STAR WARS-Filmen abgeschlossen und war noch ob der verhunzten Prequel-Trilogie etwas traumatisiert. Letztlich mangelte es Episode I bis III an allem, was die erste Trilogie ausgemacht hatte: Praktische Effekte und echte Sets mit bzw. in denen sich die Schauspieler entfalten sowie ein Regisseur, mit denen sie arbeiten konnten. Ein greifbares, dramaturgisch stringentes Drehbuch mit einem spannenden Plot. Zudem fehlte das gewisse Etwas: Magie, Charme und Humor. Und eine Romanze ohne Anleihen bei Rosamunde Pilcher.

Was hat denn meine Meinung in den letzten drei Jahren geändert (in Bezug auf Vorfreude, da ja noch der fertige Film zu begutachten wäre)?

  1. Die Regie übernahm J. J. Abrams, der mit viel Verve STAR TREK mit zwei Kinofilmen „rebooted“ und auch mit SUPER 8 gezeigt hat, dass er gefühl- und humorvolles Nostalgiekino der alten Schule beherrscht.
  1. Das Drehbuch stammt von Abrams selbst (der auch das Drehbuch zu SUPER 8 geschrieben hat) und von Lawrence Kasdan (u. a. Autor von JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES, DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK und DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER).
  2. George Lucas ist nur noch (theoretisch) in beratender Funktion tätig, aber seine Inputs für die Story wurden angeblich ignoriert. Ich bin kein Lucas-Basher: Ohne ihn gäbe es STAR WARS nicht, aber er hat offenbar sein kreatives Mojo verloren. Nun ist mit der Erfolgsproduzentin Kathleen Kennedy eine starke, ambitionierte Frau bei Lucasfilm an der Macht – und hoffentlich auf deren guten Seite.
  3. Die Entscheidung, auf 35-mm-Film zu drehen. Selbstverständlich wird das Material nach dem Dreh digital gescannt, um u. a. die computergenerierten Effekte einbauen zu können, aber der (hoffentlich körnige) Look bleibt erhalten und somit auf Linie der ersten drei Filme.
  4. Die Entscheidung, so viel wie möglich an Kulissen zu bauen und praktische Effekte „in-camera“ aufzunehmen. Quasi eine Reise in die gute alte Zeit des Hollywood der 80er. Bei diesem Thema kommt man leider auch nicht an INDIANA JONES UND DAS KÖNIGREICH DES KRISTALLSCHÄDELS vorbei, da auch hier berechtigte Hoffnung bestand. Denn eine Rückbesinnung auf handgemachte Action wurde zwar propagiert, aber nur bedingt eingehalten. Wenn auch kein totaler Reinfall wie Episode I, so war INDY IV, auch auf anderen Ebenen, eher eine Enttäuschung.
  5. Die (Ur-)Besetzung: Diese wurde anhand folgender Aufnahme von einer Drehbuch-Leseprobe offiziell bekannt gegeben (zu jenem Zeitpunkt waren z. B. Lupita Nyong’o und Gwendoline Christie noch nicht an Bord):

http://de.starwars.com/wp-content/uploads/sites/6/2014/04/star-wars-episode-7-cast-announce.jpg

  1. Die bisherigen Teaser-Trailer und Behind the Scenes: Im November letzten Jahres wurde der erste Teaser-Trailer veröffentlicht, der so wenig wie möglich preisgab und deswegen vollends überzeugte:

Zugegeben, der erste Teaser zu EPISODE 1 hat die Fans damals auch gefangen genommen (und beim neuen Teil 7 ist übrigens keine Rede mehr von irgendeiner Episode Nummer soundso). Der erste ist aber kein Vergleich zum zweiten Teaser, veröffentlicht im April dieses Jahres:

Und ein Hinter-den-Kulissen-Video, das auf die handgemachten Aspekte des Films eingeht, hat mich persönlich am meisten überzeugt:

Bisher … Denn der neue Trailer ist der Hammer!!

Und ab jetzt will ich bis zum Kinostart nichts weiter über DAS ERWACHEN DER MACHT erfahren, um einigermaßen unvoreingenommen zu bleiben und um mich überraschen zu lassen!!

Eine gewisse Grundskepsis versuche ich mir zu erhalten, um meine Erwartung etwas herunterzuschrauben – zumindest kann der neue STAR WARS nicht schlechter sein als die Prequels … In diesem Sinne: Möge die Macht mit diesem Film sein!

MAD MAX: FURY ROAD (Kurzkritik)

Genre: Action/Science Fiction

Regie: George Miller

Besetzung: Tom Hardy, Carlize Theron, Nicholas Hoult u. v. a.

Kinostart: 14.04.2015


„What a lovely day.“: Der Slogan dieses dystopischen High-Speed-Abenteuers könnte auch das Motto für Filmfans und v. a. für Anhänger_innen von (subversivem) Eskapismus sein. Denn in Zeiten von Sequels, Prequels, Remakes und Reboots – und der neue MAD MAX ist irgendwie all das zugleich – sticht dieser ungestüme Punk in Filmgestalt als erfrischende Abwechslung im Hollywood-Einheitsbrei heraus. FURY ROAD ist ein wahr gewordener feuchter Traum – auch für Frauen, denn in seinem Kern ist es fast schon ein feministisch anmutender Film, der eigentliche Held eine Heldin: Furiosa (stark: Charlize Theron). Die Vergangenheit sowie die Motive des Titelhelden werden nur angerissen, Exposition gibt es in der Wüste eh kaum. Die Story als auch der Plot sind glasklar strukturiert, auch wenn man unsanft in diese irre, wilde Welt geschmissen wird und sich als Zuschauer_in erst einmal zurechtfinden muss. Dennoch hat der Film eine Handlung (auf die ich hier nicht eingehe – ein bisschen Überraschung muss schon noch gegeben sein), gar eine Haltung und das Herz am rechten Fleck, auch Leidenschaft und sogar Tiefe, nur eben minimalistisch.

Was man über die Action nicht sagen kann: Diese ist zu großen Teilen „handgemacht“, also mit echten Stunts und praktischen Effekten gefilmt und dank famoser Fotografie sowie virtuosem Schnitt und origineller Choreografie dermaßen spannend, dass es das Publikum in die Kinosessel drückt. Lange war Action im Kino nicht mehr so aufregend und nicht nur hohles Spektakel – sie wirkt immer gefährlich und brutal, es kann jede Sekunde einen der (liebgewonnenen) Filmcharaktere erwischen …

Zu erwähnen wäre noch der peitschende, treibende Percussion-Soundtrack von Junkie XL, quasi ein geheimer Hauptdarsteller.

Fazit: Regisseur George Miller (70), der im Übrigen auch „Ein Schweinchen namens Babe“ gemacht hat, kehrt furios zu seinen Wurzeln zurück und zeigt der restlichen (jungen) Regie-Garde wo der Frosch im Action-Genre die Locken hat!