STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT (Kritik)

Genre: Weltraum-Märchen/Action/Abenteuer
Regie: J.J. Abrams
Besetzung: Daisy Ridley, John Boyega, Harrison Ford, Adam Driver, Oscar Isaac u. v. a.
Kinostart: 17.12.2015

Kurz vorweg: Über die Story werde ich im Folgenden keine Worte verlieren, auch nicht über Luke Skywalkers Rolle, um Spoiler zu vermeiden.
Episode VII aka DAS ERWACHEN DER MACHT konnte der hohen Erwartungshaltung kaum gerecht werden. Und doch haben J.J. Abrams (hatte ja auch STAR TREK erfolgreich wiederbelebt) und sein Team um Drehbuchautor Lawrence Kasdan (DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK) das fast unmögliche geschafft – zumindest großteils.

The Good: Denn der Ton der Ur-Trilogie wird nahezu perfekt getroffen. Magie, Charme und eine überraschend große Portion Humor sind im Gegensatz zu den Prequels wieder präsent. Das Drehbuch ist stimmig, die Handlung flüssig und fesselnd erzählt und die pointierten Dialoge sitzen.
Die Figuren sind charismatisch gezeichnet, deren Motivationen und Entwicklungen sowie die Chemie untereinander wirken nie aufgesetzt. Vor allem die jungen Wilden Rey (Daisy Ridley) und Finn (John Boyega) sowie die von etablierten Mimen dargestellten Kylo Ren (Adam Driver) und Poe Dameron (Oscar Isaac) wissen zu überzeugen. Doch Han Solo alias Harrison Ford bildet das Herzstück des Films, das von der alten Besetzung sozusagen die Staffelübergabe vornimmt. Mit ungehemmter Spielfreude findet Ford in seine Durchbruch-Rolle von damals zurück, als wären die letzten 32 Jahre nicht gewesen. Oder besser gesagt 35 Jahre, da er in DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER als Figur unterfordert war und als Schauspieler wie auf Autopilot lief, geradezu genervt wirkend. Und da wäre noch BB-8, der weiß-orangene Droide in Ball-Form: Schlicht ein genial designter Roboter, extrem niedlich und witzig – und (zumeist?) nicht digital!
Der Film legt trotz einiger ruhiger Momente ein teils brachiales Tempo vor, voller dynamischer, spektakulärer Action und kreativem Esprit, begünstigt durch eine famose Bildästhetik, einem rhythmisch-organischen Schnitt und John Williams neuer symphonischer Musik, die fast wie in alten Zeiten die Szenen untermalt (fast, da eher atmosphärisch als eingängig melodisch). Die Inszenierung lebt zudem von wunderschönen, echten Kulissen und, neben tadellosen Computeranimationen, von praktischen Effekten, welche „In-Camera“ aufgenommen wurden. In 2D kommen die auf 35mm-Film gedrehten Aufnahmen noch schöner und detailreicher als im zwar passablen, jedoch dunklen, unscharfen 3D zur Geltung.

Während der ca. 135 Minuten Laufzeit habe ich im Kino nicht ein einziges Mal auf die Uhr geschaut: Im Gegenteil, ich war geradezu besorgt, dass der Film bald vorbei sein könnte – was für mich immer ein gutes Zeichen ist!

The Bad: Phasenweise wirkt Episode VII wie eine Hommage an bzw. fast schon eine Neuauflage von EINE NEUE HOFFNUNG, v. a. die neue, noch größere und noch zerstörerische Vernichtungswaffe ist nichts anderes als ein dritter Todesstern. Die nostalgischen Anspielungen werden schon ein wenig überstrapaziert. Generell ist die Geschichte trotz aller oben genannten Vorzüge relativ mäßig originell. Auch wegen des wiederkehrenden Themas bezüglich tragischer Familienverstrickungen.
Die visuelle Gestaltung vom neuen Quasi-Imperator erscheint völlig uninspiriert und sichtbar computeranimiert, was mich schon etwas aus dem Filmerlebnis gerissen hat, da es einfach nicht zum Rest passt, wenn im Grunde alle anderen Wesen mit echten Masken und echten Kostümen auftreten. Die zweite komplett am Rechner entstandene Figur kommt da wesentlich besser weg. Darüber hinaus bekommen manche Charaktere, wie z. B. die sehr interessanten Poe (Isaac) und Captain Phasma (Gwendoline Christie) leider zu wenig Zeit auf der Leinwand.
Außerdem kommt es aufgrund des Tempos zu vermeintlich dramaturgischen Unausgegoren- bzw. Ungereimtheiten, weil Plot-Details da manchmal auf der Strecke bleiben. Und die Gags verfallen etwa zwischen erstem und zweitem Akt schon ein bisschen in Klamauk.
Aber das war’s auch schon an Kritikpunkten, welche ich anbringen kann.

The Ugly: Nada.

Fazit: STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT ist das erhoffte Erwachen der Kult-Reihe zu neuem Leben. Die Atmosphäre der Originale wird sowohl mit altmodischen, als auch mit modernsten Mitteln der Filmtechnik erreicht. Noch wichtiger als die audiovisuelle Kunstfertigkeit jedoch ist, dass diese Episode einen emotionalen Kern hat, mitreißt und großen Spaß bereitet!

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MAD MAX: FURY ROAD (Kurzkritik)

Genre: Action/Science Fiction

Regie: George Miller

Besetzung: Tom Hardy, Carlize Theron, Nicholas Hoult u. v. a.

Kinostart: 14.04.2015


„What a lovely day.“: Der Slogan dieses dystopischen High-Speed-Abenteuers könnte auch das Motto für Filmfans und v. a. für Anhänger_innen von (subversivem) Eskapismus sein. Denn in Zeiten von Sequels, Prequels, Remakes und Reboots – und der neue MAD MAX ist irgendwie all das zugleich – sticht dieser ungestüme Punk in Filmgestalt als erfrischende Abwechslung im Hollywood-Einheitsbrei heraus. FURY ROAD ist ein wahr gewordener feuchter Traum – auch für Frauen, denn in seinem Kern ist es fast schon ein feministisch anmutender Film, der eigentliche Held eine Heldin: Furiosa (stark: Charlize Theron). Die Vergangenheit sowie die Motive des Titelhelden werden nur angerissen, Exposition gibt es in der Wüste eh kaum. Die Story als auch der Plot sind glasklar strukturiert, auch wenn man unsanft in diese irre, wilde Welt geschmissen wird und sich als Zuschauer_in erst einmal zurechtfinden muss. Dennoch hat der Film eine Handlung (auf die ich hier nicht eingehe – ein bisschen Überraschung muss schon noch gegeben sein), gar eine Haltung und das Herz am rechten Fleck, auch Leidenschaft und sogar Tiefe, nur eben minimalistisch.

Was man über die Action nicht sagen kann: Diese ist zu großen Teilen „handgemacht“, also mit echten Stunts und praktischen Effekten gefilmt und dank famoser Fotografie sowie virtuosem Schnitt und origineller Choreografie dermaßen spannend, dass es das Publikum in die Kinosessel drückt. Lange war Action im Kino nicht mehr so aufregend und nicht nur hohles Spektakel – sie wirkt immer gefährlich und brutal, es kann jede Sekunde einen der (liebgewonnenen) Filmcharaktere erwischen …

Zu erwähnen wäre noch der peitschende, treibende Percussion-Soundtrack von Junkie XL, quasi ein geheimer Hauptdarsteller.

Fazit: Regisseur George Miller (70), der im Übrigen auch „Ein Schweinchen namens Babe“ gemacht hat, kehrt furios zu seinen Wurzeln zurück und zeigt der restlichen (jungen) Regie-Garde wo der Frosch im Action-Genre die Locken hat!

BIRDMAN ODER (DIE UNVERHOFFTE MACHT DER AHNUNGSLOSIGKEIT) (Kurzkritik)

Genre: Tragikomödie/Satire

Regie: Alejandro González Iñárritu

Besetzung: Michael Keaton, Edward Norton, Emma Stone, Naomie Watts u. v. a.

Kinostart: 29.01.2015

Der neue Oscar-Anwärter von Alejandro González Iñárritu (AMORES PERROS, BABEL) ist sowohl eine schwarze Tragikomödie, als auch eine Satire auf Hollywood und Broadway: Michael Keaton spielt den ehemaligen Filmstar Riggan Thomson, der durch die Superhelden-Verfilmung „Birdman“ zu Weltruhm gelangte, aber inzwischen ist es eher ruhig um ihn geworden (wie im wirklichen Leben: Keaton spielte 1989 und 1992 Batman). Nun  versucht er als Regisseur und Hauptdarsteller eines Broadway-Stücks wieder auf die Beine zu kommen. Unterstützt wird er dabei von einer tollen Schauspielriege: U. a. Edward Norten als exzentrischer Methodactor Mike Shiner (vielleicht auch wie in Echt) , Emma Stone als seine verdrogt-depressive Tochter Sam sowie Naomie Watts. Alle genannten hatten kurioserweise schon Auftritte in Superhelden- bzw. Comicverfilmungen (Hulk, Spider-Man und Tank Girl).

Motiv des Comeback-Versuchs (den Keaton definitiv meistert) ist das Bewundert- und Geliebtwerden und deren Wechselwirkung bzw. Verwechslung. In scheinbar einer einzigen, langen Kamerafahrt gefilmt – wobei es so einige mehr oder weniger gut versteckte Schnitte gibt – begleitet das Kinopublikum die Protagonisten hautnah auf virtuos-pointierte Weise dabei, wie sie alles geben, um beim Theaterpublikum anzukommen. Dabei kommt es zu witzigen Seitenhieben auf beide Branchen und auch auf Kritiker, die gerne mal was verreißen. Das ist dialoglastig und stets unterhaltsam und originell.

Wenn Riggan Thomson mit seinem Alter Ego Selbstgespräche führt und dabei sein Innerstes preisgibt, so hat man solch ein Seelenstriptease vermutlich seit BEING JOHN MALKOVICH nicht mehr gesehen – ob nun wahr oder überspitzt oder völlig frei erfunden.

Heimlicher Star ist Edward Norton, der seit seinen Rollen in den letzten beiden Filmen von Wes Anderson (MOONRISE KINGDOM und THE GRAND BUDAPEST HOTEL) endlich da weitermacht, wo er um die Jahrtausendwende mit starken Rollen und ebenso starken Filmen angefangen hat: Er hat spürbar große Freude, den selbstgefälligen Theaterstar zu geben – köstlich!

Fazit: BIRDMAN ist originelles (Theater-)Kino, in dem auch mal die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen und das auf virtuose Weise jede Minute der zwei Stunden Spielzeit bei der Stange hält. Und das ohne Action und Effektgewitter, sondern mit Gefühl, Witz und Esprit!

SIDE BY SIDE (Kurzkritik)

Genre: Dokumentation

Regie: Christopher Kenneally

Besetzung: Keanu Reeves, James Cameron, David Fincher, George Lucas u. v. a.

Kinostart: DVD-Import (UK)

Ich habe mir die von Keanu Reeves produzierte und moderierte Dokumentation als UK-Import bestellt und gestern angesehen: Da kann man als Filmfreak schön abnerden;-)

Reeves interviewt darin sehr viele Filmschaffende (Regisseure und Regisseurinnen, Kameraleute, Cutter, Schauspielerinnen und Schauspieler etc.) über den Wandel des Kinos vom eigentlichen (analogen) Film, z. B. im 35mm-Format, zum digitalen „Film“. Dabei muss differenziert werden zwischen der Aufnahme, also dem Ablichten auf dem Filmset (vorrangiges Thema der Doku) und zwischen der Projektion im Kino (wird nur peripher behandelt), und auch zwischen der Archivierung des historischen Filmbestands auf der Welt.

Viele Produktionsschritte eines Films wurden bereits zu großen Teilen ins Digitale „outgesourced“ wie beispielsweise der nonlineare Schnitt oder auch die visuellen Effekte. Ausnahmen bestätigen zum Glück die Regel: Michael Kahn (79), seit fast 40 Jahren Schnittmeister von Spielberg), schneidet und klebt seine Filmrollen angeblich immer noch mit der Hand (später werden diese selbstverständlich digital gescannt). Was nicht heißen soll, dass ich das besser finde. Ich finde es nur gut und wichtig, dass dieses originäre Handwerk nicht völlig in Vergessenheit gerät.

Und darum geht es in SIDE BY SIDE eigentlich auch: Um eine höchst eloquente und höchst interessante Montage von (fast) durchweg nachvollziehbaren Meinungen von George Lucas, James Cameron, Martin Scorcese (alle „digital“ geeicht) oder von Christopher Nolan (dreht auf Filmmaterial, sein INTERSTELLAR startete partiell sogar in 35 mm und IMAX 70 mm). Schade, dass Quentin Tarantino nicht interviewt wurde: Der hatte erst vor kurzem gesagt, nie mehr einen Film machen zu wollen, wenn das klassische Filmmaterial komplett dem digitalem Kino weichen sollte.

Letztlich bezieht der Film nicht Stellung, auch wenn die Vorteile des digitalen Films nicht von der Hand zu weisen sind (geringere Kosten, Demokratisierung der Branche …) oder das nostalgische Flair sowie die bisher wohl unübertroffene Qualität von 35 mm einen Cineasten nicht kalt lassen können. Wichtig sind ja immer die Geschichten, die erzählt werden wollen. Solange es noch einige Filmemacher_innen gibt, die auf Film drehen (übrigens wurde der kommende STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT auf diese Weise gemacht – juhu!), es ergo weiterhin eine Koexistenz geben sollte, könnte ich persönlich damit leben. Klar, auf Film werden inzwischen nur noch wenige Filme gedreht – was auch bescheuert klingt (von wegen „Film“ und „drehen“)!?

Ich könnte jetzt noch auf viele spannende Details eingehen (was angebracht wäre, da man hierzulande nicht so leicht an diese DVD herankommt), z. B. dass man auch eine Prise Filmgeschichte sowie Prozesse des Filmemachens bzw. des Entwickelns anschaulich präsentiert bekommt. Oder dass Keanu Reeves seine Fragen journalistisch geschickt und sympathisch an seine Adressaten richtet. Oder dass mir James Cameron wohl immer unsympathisch bleiben wird …

Aber das würde nur ausarten – holt Euch am besten diese (inzwischen relativ günstige) Import-DVD inkl. zweiter Disc mit nochmals vier Stunden Bonus-Interviews. Daher mein …

Fazit: Eine für Filminteressierte höchst aufschlussreiche und auch unterhaltsame Auseinandersetzung mit dem Thema „klassischer Film vs. digitales Kino“. Nostalgisch oder progressiv? Kunst oder Verwässerung des Handwerks? Entscheidet selbst – eine sehr gelungene Doku über unser geliebtes Kino!

Relaunch

Hallo Filmfreundinnen und -freunde,

das hier ist der Relaunch meines im Frühjahr 2008 gestarteten Blogs filmversteher.de.

In der Zwischenzeit gibt es mindestens noch zwei weitere Filmversteher (und bestimmt noch mehr;-), zu welchen ich jedoch nicht in Konkurrenz treten will, sondern diese vielmehr für deren Internetauftritte loben möchte:

http://filmversteher.blogspot.de/

http://filmversteher.com/

Falls ich irgendwann einmal ansatzweise dieses Niveau und diese Regelmäßigkeit des Postens erreichen sollte, wäre das schön …

Erstmal versuche ich, an dieser Stelle sporadisch meine geistigen Ergüsse über das Kino rauszulassen (auch, um meine nahen Mitmenschen nicht ständig mit Filmanalysen- und Gossip vollzulabern). Es wird wohl eine wilde Mischung aus spontanen Posts zu News und Gerüchten sowie aus Kurzkritiken oder Links zu Trailern etc. werden …

Bis hoffentlich bald!